Allgemeines

In Anmut und in sich ruhender Schönheit steht im Norden des historischen Zentrums von Soest die gotische Kirche     St. Maria zur Wiese, auch Wiesenkirche genannt.

Das Gotteshaus ist Ausdruck eines selbstbewussten hanseatischen Bürgertums im Mittelalter. In der Außenansicht prägt die markante Doppelturmanlage das Bauwerk einer Kathedrale gleich. Eher sparsam, doch fein gestaltet und konstruktiv gegliedert sind die Wände, mit ihren zahlreichen, großen und tief heruntergezogenen Fensteröffnungen.

Wie frei von Last wirkt die weit gespannte Wölbung im Innenraum dieser Hallenkirche, die Profilzüge der schlanken Pfeiler gehen ohne Unterbrechung in die Bögen über. Mit Errichtung der exzellent proportionierten Choranlage in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts gelang hier eine vollendete Synthese aus Stein und Glas.

Die einzigartige Glaslandschaft bewirkt immerfort wechselnde Atmosphären. Nach Wetterlage und Jahreszeit variiert im Gesamtraum die Lichtstimmung, einhergehend schimmert der Stein in seiner Farbe und durch die Struktur seiner Oberfläche in vielfältigen Nuancen.

Keiner der Nachfolger brach in der etwa 200 Jahre dauernden mittelalterlichen Bautätigkeit mit dem ursprünglichen Plan des ersten Baumeisters. In seiner Ganzheit und Harmonie gilt der Innenraum als das Manifest eines Abbildes des himmlischen Jerusalem auf Erden. Das grandiose Raumgebilde ist auf visuelle Wahrnehmung gerichtet, die Akustik im Raum setzt Grenzen für die Musik.

Einzelkunstwerke von allererster Qualität aus mehreren Jahrhunderten gehören zur Wiesenkirche. Das berühmteste ist das Fenster „Westfälisches Abendmahl“, entstanden um 1500, der Meister jedoch ist uns nicht bekannt.

Die BAUHÜTTE WIESENKIRCHE SOEST zählt zu den Dom- und Münsterbauhütten. Zeitgemäß ausgedrückt ist sie ein nichtkommerzieller Regiebetrieb zum Selbstzweck eines einzigen Baugeschehens und Bauherrns. Sie wurde vom Land Nordrhein-Westfalen 1990-1992 projektiert und gefördert als "Errichtung einer Dombauhütte an der Wiesenkirche in Soest als regionales Zentrum für Theorie, Praxis, Forschung und Entwicklung neuer Denkmaltechnologien". Die umfassenden, notwendigen Wiederherstellungsmaßnahmen an den neugotischen Türmen, die mindestens 1-2 Generationen in Anspruch nehmen werden, erforderten die Neuerrichtung einer Bauhütte. Sie ist die dritte in der Geschichte der Wiesenkirche, nach der mittelalterlichen, ca. 1313-1520 bestehend, und der zweiten von 1846-1882. Das Vorhaben wird unterstützt durch das Kuratorium.

Träger der Bauhütte ist der gemeinnützige Westfälische Dombauverein; die Führung, auch im Auftrag des Bauherrn, der Ev. Wiese-Georgs-Kirchengemeinde, hat Dombaumeister Jürgen Prigl.